Der Begriff Familie steht heute immer öfter in der Kritik. Einige sehen in der Familie ein veraltetes Modell. Auf der anderen Seite ist die Familie noch immer die am weitest verbreitete Familienform der Welt.

Doch zuerst müssen wir den Begriff Familie genauer unter die Lupe nehmen. Das Wort Familie stammt vom lateinischen Famulus (Diener bzw. Sklave). Allerdings hat das lateinische Famulus nichts mit unserem heutigen Begriff Familie zu tun. Die heutige Bedeutung bekam das Wort Familie erst gegen Ende des 17. Jahrhunderts. Heute unterscheidet man in Grossfamilie (drei und mehr Generationen) und der Kernfamilie (Mutter, Vater, leibliche Kinder). Zu den herkömmlichen Familienformen kommen immer häufiger auch „neue“ Familienformen hinzu. Die wohl bekannteste ist die Pachtworkfamilie (Stieffamilie). Die Regenbogenfamilie (gleichgeschlechtliche Familie) ist eine weitere Form. Auch wenn alle diese Formen unterschiedlich sind, so sind es doch Formen von Familien. Laut Bundesamt für Statistik leben in der Schweiz 80,1% aller Familien das „traditionelle“ Modell der Kernfamilie, 5,5% leben in Patchworkfamilien (Regenbogenfamilien mitgezählt) und 14,4% sind alleinerziehend. Somit ist die herkömmliche Familie kein Auslaufmodell, sondern stellt noch immer und zum Glück die Mehrheit. Wer also die herkömmliche Familie für tot erklären will, ist auf dem Holzweg.

Die traditionelle Familie wird auch in Zukunft die Mehrheit stellen. Ob der Anteil an Alleinerziehenden wächst oder nicht kann schlecht vorhergesagt werden. Die Familie ist aber nicht nur ein Modell, sondern auch das Fundament einer jeden Gesellschaft. Wir Menschen sind „Herdentiere“. Schon zu Zeiten der Höhlenbewohner lebten die Menschen in Sippschaften. Als der Mensch sesshaft wurde gründete man kleinere Dörfer und später ganze Städte. Das Modell des Staates kam erst später hinzu. Warum lebt der Mensch in Gruppen? Heute haben viele Menschen das Gefühl, dass sie ein einziges Individuum sind und unabhängig von anderen Menschen leben können. Doch dies ist ein Irrtum! Der Mensch brauchte schon immer andere Menschen um zu überleben. Ob in einer Sippschaft (Höhlenbewohner) oder in einem komplexen Staat, jeder Mensch nimmt seinen Platz in der Gesellschaft ein. Jeder erfüllt eine Aufgabe die zum einen sein eigenes Überleben sicher und zum anderen auch dies anderer Menschen. Waren es bei den Höhlenbewohner noch Aufgaben wie jagen, fische oder sammeln, sind es bei uns die Berufe die wir ausüben. Der Bankdirektor erfüllt seine Aufgabe genauso wie der Müllmann. Stellen sie sich mal vor was passieren würde wenn die Müllabfuhr nicht mehr vorbeikommt! Dies gäbe ein Chaos und vermutlich würden sich auch Krankheiten ausbreiten. Die Aufgabe der Müllabfuhr ist also wichtig und dient nicht nur dem Überleben der Müllmänner, sondern auch dem Überleben von uns allen. Wir sind zwar eigenständige Menschen aber wir sind immer und zu jederzeit abhängig von anderen Menschen.

Der Mensch teilt sich auch heute, wenn auch unbewusst, in Gruppen (Sippschaften) auf. Einigen dieser Gruppen fühlt sich ein Mensch bewusst zugezogen anderen eher unbewusst. Die kleinste Gruppe ist die Kernfamilie. Die zweitkleinste Gruppe die Grossfamilie. Mit diesen Gruppen fühlen sich die meisten Menschen sehr verbunden und es besteht eine Blutverwandtschaft. Es gibt aber auch Gruppen denen wir zugehörig sind ohne dass man blutsverwandt ist. Hierzu gehört die Region (Heimat). Da wo wir aufgewachsen sind, fühlen wir uns zuhause. Wir fühlen uns auch den Menschen in unserer Region verbunden. Dies hat mit derselben Herkunft und teilweise auch mit gemeinsamen Erlebnissen oder Verwandtschaften zu tun.  Eine noch grössere Gruppe wäre dann der Staat. Hier fühlen wir uns vor allem wegen derselben Sprache und/oder Kultur verbunden. Eine gemeinsame Kultur kann auch eine Verbundenheit über die Landesgrenzen hinaus erzeugen. So fühlen sich die meisten Menschen in Europa auch als Europäer. Dies hat mit der verwandten Kultur aber auch derselben Ethnie zu tun. Wir unterscheiden uns im Aussehen klar von anderen Weltregionen (z.B. Asien, Afrika). Das gemeinsame Aussehen und die gemeinsame Kultur verbindet uns. Eine weitere Gruppe kann auch die Religion sein. Die Religion verbindet über kontinental Grenzen hinaus. Christen fühlen sich einander verbundener. Auch wenn wir andere Kulturen, Sprachen und Gebräuche haben, so sind wir doch durch den Glauben verbunden. Die grösste aller Gruppe aber ist der Mensch. Natürlich fühlen wir uns alle als Menschen und dies verbindet uns. Doch ist uns eben nicht jeder Mensch gleich nah.

Von allen diesen Gruppen wird immer und für alle Ewigkeit die Kernfamilie die wichtigste aller Gruppen sein. Sie ist das Fundament all dieser Gruppen. Ein Staat, eine Gesellschaft und ein jedes System kann nur durch starke Kernfamilien funktionieren und erhalten werden. Wenn wir in unserer heutigen Welt die Kernfamilie als Auslaufmodell bezeichnen, sie sogar bekämpfen wollen, bekämpfen wir damit nicht einfach nur die Familie. Nein, wir bekämpfen damit unser Fundament und bringen alle grösseren Gruppen ins Wanken. Der Mensch braucht Wurzeln und nirgends sind die Wurzeln so tief verankert wie in der Kernfamilie. Eine Zukunft Europas kann es nur mit einem Erstarken der Kernfamilie geben. Die Welt ohne Familien, wäre eine Welt ohne Wurzeln!

80% von uns allen sind in Kernfamilien aufgewachsen. Verkennen wir die Familie, belügen wir uns selbst!